Taltitz

ein Ortsteil der großen Kreisstadt Oelsnitz

Vorkriegszeit

Kriegseinwirkungen auf das Dorf Taltitz vom Mittelalter bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945

Historische Dokumente belegen es – Taltitz war in den vergangenen Jahrhunderten bis in die Neuzeit hinein fast immer von den auf deutschem Boden tobenden Kriegen direkt betroffen.

Bereits im Bauernkrieg um 1525 schlossen sich Taltitzer Bauern den Aufständischen an. Nach ihrer Niederlage mussten die Dorfbewohner schwer unter der auferlegten Straflast büßen.

Große Not, todbringende Seuchen und unendliches Leid kamen im 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) über die Einwohner. Im August 1632 erhielt Feldmarschall Holk als Günstling von Wallenstein den Befehl zu einem Verheerungszug gegen Sachsen. Die „Holkschen Reiter“ zogen plündernd und mordend auch durch Taltitz. Bereits im nächsten Jahr erfolgte ein erneuter Einfall. Wiederum wurde das Dorf schwer verwüstet. Am 9. September 1633 ereilte dann dem Heerführer Holk das gleiche Schicksal wie Tausenden Menschen in der Region. Er erkrankte an der Pest und verstarb vermutlich in Troschenreuth – einem nicht mehr existierenden Dorf zwischen Wiedersberg und Sachsgrün. Einige Jahre später (1640) plünderten Schwedische Truppen die kleine Kirchgemeinde Taltitz. Durch die Folgen des 30-jährigen Krieges verringerte sich die Einwohnerzahl um mehr als die Hälfte.

Im 7-jährigen Krieg (1756 bis 1763) befand sich in Taltitz im Jahr 1758 zeitweilig das Hauptquartier des preußischen Oberkommandierenden, des Prinzen Heinrich, eines Bruders Friedrich II. von Preußen. Es steht nicht fest, ob der Prinz im Rittergut oder im Pfarrhaus 14 Tage logierte. Von den Kampfhandlungen im westlichen Vogtland sind u.a. folgende Episoden überliefert. An der Hammermühle im Feilebachtal überfielen am 4. Juni 1758 über 80 Österreichische Husaren einen aus 50 Proviantwagen bestehenden Troß der Preußischen Armee. Nur 7 Gespanne konnten sich nach Taltitz ins Hauptquartier retten.

Am 6. April 1761 fand am Taltitzer Wartberg ein Gefecht zwischen den Preußischen Truppen und der Reichsarmee statt. Das in unmittelbarer Nähe gelegene Dorf wurde sicherlich wieder in Mitleidenschaft gezogen.

Selbst während des Napoleonischen Feldzuges zogen im Jahre 1806 französische Soldaten plündernd durch Taltitz.

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 forderte auch Opfer unter den eingezogenen Taltitzer Männern. Noch heute steht die 1871 gepflanzte Friedenseiche mahnend am südöstlichen Dorfrand gegenüber der ehemaligen Schule. Das Kriegerdenkmal wurde zu DDR-Zeiten abgebrochen.

Ungleich größer war die Zahl der gefallenen und vermissten 32 Taltitzer Soldaten im 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918. Ihnen zur Ehre befindet sich ein Denkmal links am Eingang zum Friedhof.

Noch wurde den 48 Gefallenen und Vermissten des 2. Weltkrieges von 1939 – 1945 zum Andenken und zur Mahnung kein Denkmal gesetzt.

In den letzten beiden Kriegsjahren warfen angloamerikanische Bomber ihre zerstörende und todbringende Last auch über Taltitz ab. Am 13. September 1944 explodierten 19 Bomben und zerstörten die Wohnhäuser der Familien Jahn und Enders zur Hälfte. Von 4 Bauernhöfen wurden die Wirtschaftsgebäude vernichtet. Einige Häuser waren stark an den Dächern und Fassaden beschädigt. Verbreitet zerbrachen die Fensterscheiben. Die gerade eingebrachte Ernte der Bauern Friedel, Gebhard und Schneider lag verstreut umher.

Bei einem erneuten Angriff am 19. März 1945 unmittelbar vor Kriegsende wurde Frau Dora Albert von einem Splitter tödlich getroffen. Die etwa 90 abgeworfenen Bomben gingen überwiegend auf Felder, Wiesen und Gewässer nieder. Dennoch gab es wiederum große Schäden im Ort. Das Wohnhaus der Familie Fuchs wurde völlig vernichtet. Das Pfaffsche Bauerngut sowie die Häuser der Familien Zeitler, Rückoldt, Trampler und Pfretzschner erlitten schwerste Schäden. In vielen Häusern zerbarsten erneut die Fensterscheiben. Auch die Kirche und das Pfarrhaus blieben nicht verschont.

Der damals im Gasthof „Eulenstein“ wohnende Oberlehrer Gustav Schmidt schrieb in seinem Bericht „Bomben auf Ort und Flur Taltitz“ mahnende Worte:
„Die Schäden sind durch fleißige Hände beseitigt worden. Und es bleibt nunmehr am Schluß nur noch der Wunsch auszusprechen, der große, heiße, ernste Wunsch in unseren unruhevollen, unsicheren Zeiten neuer Kriegsgefahr: Möchten Vaterland, Volk und Heimat fernerhin und für alle Zeiten vor neuem großen Unheil bewahrt bleiben und uns allen der ersehnte Frieden und eine ruhige, gesicherte Zukunft geschenkt werden.“

Sie können sich die Informationen über die Vorkriegszeit auch als PDF-Dateien unter den folgenden Links herunterladen:

Vorkriegszeit von Taltitz (PDF, 11,6kb)