Taltitz

ein Ortsteil der großen Kreisstadt Oelsnitz

Spätes Mittelalter

Zur frühen Geschichte der Kirche Taltitz

In der „Kirchen-Galerie Sachsens“ beschreibt Pastor Ferdinand Klemm im Jahr 1843 sehr treffend die hiesige Kirche und ihre anfängliche Geschichte. Auszüge daraus sollen nachfolgend mit geringfügigen Abänderungen zitiert werden. Insbesondere ergänzende Anmerkungen sind dem „Kleinen Taltitzer Kirchenführer“ (Birgit Höppner-Böhme und Christine Hofmann, 1999) entlehnt, der sich auf Quellen aus dem Kirchenarchiv Taltitz bezieht.

Die Kirche, ziemlich mitten im Dorf gelegen, ist ein mit Ziegeln gedecktes, durch einen Anbau etwas unverhältnismäßig verlängertes Gebäude, das seiner geringen Höhe und der es umgebenden Häuser wegen von außen nur wenig Hervortretendes bietet; dagegen ist sie in ihrem Inneren einfach und freundlich, und unserem protestantischen Kultus angemessen. Über die Zeit ihrer Erbauung lässt sich nichts bestimmtes sagen, weil alle Urkunden darüber fehlen; doch dürfte sie ihrem schönen, massiven Kreuzgewölbe nach, so wie nach mehreren in der Mauer vorgefundenen Vertiefungen und Thüren in Spitzbogenform, ein ziemliches Alter für sich in Anspruch nehmen.

Der „Kleine Taltitzer Kirchenführer“ aus dem Jahr 1999 berichtet von einer Marienkapelle, die vermutlich um 1300 der Zerstörung zum Opfer fiel. Es kann das Bestehen einer Kirche in Taltitz zu Ende des 13. oder anfangs des 14. Jahrhunderts aber nur daraus gefolgert werden, dass den mächtigen deutschen Ordensrittern das Patronatsrecht über die Kirche zu Taltitz zustand. Als erster Pfarrer von Taltitz wird ein gewisser Cunrad (Conrad) im Jahr 1343 genannt. In diesem Dokument bewilligt der Compthur des Deutschen Hauses zu Plauen die Trennung der Kirchgemeinde Planschwitz von Taltitz.

Im Jahr 1683 erhielt die Kirche durch den damaligen Besitzer von Taltitz und Amtmann in Plauen, Wolfgang Ferber, in Gemeinschaft mit dem Besitzer von Dobeneck eine wesentliche Veränderung, indem sie nicht bloß durch den eben angedeuteten Anbau um so viel, als jetzt der Chor- und Orgelraum beträgt, verlängert, und mit einem unter demselben befindlichen Erbbegräbnis versehen; sondern auch durch Aufstellung eines neuen Altars und einer neuen Orgel, so wie durch Wappenschilder und Gemälde an Decke und Emporen, freilich alles im Geschmack jener Zeit, verschönert, außerdem aber noch von W. Ferber mit silbernen und vergoldeten Altargefäßen besonders beschenkt wurde.

Im Jahr 1830 ließ der damalige Pfarrer Ferdinand Klemm eine zweckmäßige Umgestaltung des Inneren der Kirche vornehmen und auf eigene Kosten bewerkstelligen, was der Armut der Gemeinde und Kirche nicht anzusinnen war. Gewölbe und Emporen wurden ihres werth- und bedeutungslosen Schmuckes entkleidet und in einfaches Weiß und Grün gehüllt. An die Stelle des Chor und Orgel verdeckenden Hochaltars trat ein einfacher Altar in Tischform, mit einem Ölgemälde „Christus das Kreuz tragend“ als Altarblatt, so dass Chor und Orgel über demselben frei hervortraten; die auf dem Altar befindliche Kanzel wurde, von vier Säulen getragen an einem Pfeiler neben der nun außerhalb der Kirche angebrachten Sacristei befestigt, wo sie deutlichen Merkmalen nach, schon vor dem Jahr 1683 ihren Platz gehabt haben musste; der sonst seitwärts stehende granitene Taufstein kam in die Mitte des geräumigen, durch ein schwarzes Geländer vom Schiffe der Kirche geschiedenen Altarplatzes, der, wie die Männer- und Frauenstühle, durch vergrößerte Fenster helles Licht erhielt; für die Eingepfarrten aus Dobeneck wurde durch Verlegung der herrschaftlichen Dobenecker Capelle nach einer der Kanzel gegenüber befindlichen Stelle, die durch Ausbrechen eines Bogens in der nördlichen Mauer der Kirche erweitert worden war, eine neue Empore gewonnen; und durch eine Glasthüre am Haupteingange, über dem sich die hiesige herrschaftliche Capelle befindet, so wie durch einen mit 2 Thüren versehenen Verschlag hinter dem Altare, wurden nicht bloß die Vorhallen von der Kirche geschieden, sondern auch einem früher sehr beschwerlichen Luftzuge in derselben Schranken gesetzt. In dieser Gestalt befindet sich gegenwärtig das Innere unseres Gotteshauses, die Elemente des in ihm gepflogenen evangelischen Cultus, Licht, Wärme und Einfachheit repräsentierend, und der 25. Juni 1830, als Jubeltag der Augsburg Confession, war es, wo es in dieser Gestalt seine feierliche Weihe erhielt.

Im Jahr 1831 wurde nun auch die bis dahin fast unbrauchbar gewordene Orgel mit einer Summe von 140 Thalern, welche die Gemeinde mit freundlicher Beihilfe vieler auswärtigen Kirchenfreunden unter sich aufgebracht hatte, durch den Orgelbauer, Herrn Wolf in Plauen, in einem der Kirche angemessenen Verhältnisse und Schmucke wieder hergestellt, und am 25sten Trinitatissonntage desselben Jahres ihrer Bestimmung übergeben. Nach nur 45 Jahren erhielt die Taltitzer Kirche 1876 für 4500 Mark eine wesentlich größere Orgel, erbaut durch Orgelbaumeister Opitz aus dem Altenburger Land. Bauliche Veränderungen am Chor und Gewölbe wurden damals erforderlich.

Außer einigen an den Wänden neben der Kanzel befindlichen Epitaphien, die Gliedern der Gräischen und Hickmannschen Familie auf Taltitz und Dobeneck gewidmet sind, so wie dem gut gemalten Portraits des genannten Erneuerers der Kirche, Wolfgang Ferber und dessen Gattin an der Brüstung der herrschaftlichen Taltitzer Capelle, und einem in der Vorhalle befindlichen steinernen Denkmal, einen hier verstorbenen ehemaligen Besitzer von Dobeneck und Taltitz aus dem alten Geschlechte der v. Neipperg nennend, befindet sich nichts sonderlich Merkwürdiges in der Kirche. Diese Grabplatte steht seit einiger Zeit im abgetrennten Raum hinter dem Altar rechter Hand.

An dem westlichen Ende der Kirche befindet sich der einige 60 Ellen hohe steinerne Thurm mit schieferner Kuppeldachung, Durchsicht und Haube. Früher mag er die Höhe der Kirche nicht überschritten haben und ein bloßes Glockenhaus gewesen sein; seine jetzige Gestalt verdankt er dem mehr genannten W. Ferber, dessen Namen mit der Jahreszahl 1682 die Thurmfahne trägt. Der untere Raum desselben bildet den Haupteingang und die Vorhalle der Kirche; der mittlere die herrschaftlich Taltitzer Capelle, und der obere enthält die große und mittlere Glocke mit der Uhr, die Durchsicht die kleine Glocke. Die große Glocke wiegt 12 Ctr. 84 Pfd. und ist 1582 zu Nürnberg gegossen. Sie führt die Inschrift: „Gottes Wort bleibt ewig, glaub das mit That, bist selig; Christoph, Glockengießer zu Nürnberg, goß mich“. Die mittlere Glocke, uralt und wahrscheinlich die erste und vor dem einzige, führt oben am Rande in alter Mönchsschrift die Worte: „o rex gloriae veni nobis cum pace o sanna in excelsis amen“(O König der Herrlichkeit komm zu uns mit Frieden. Hosianna in der Höhe. Amen). Die kleine Glocke von zirka 2 ¼ Ctr. Gewicht, wurde im Jahre 1826 zum drittenmal umgegossen von Carl Gottlob Maibier, Glockengießer in Auerbach.

Die drei Kirchenglocken haben jede eine bewegte Geschichte. Während des 2. Weltkrieges musste die in Nürnberg gegossene große Glocke abgeliefert werden, fand sich 1950 auf einem Glockenfriedhof in Hamburg wieder an und kam über Ilsenburg und Chemnitz unversehrt an ihren alten Platz zurück. Die für Kriegszwecke abgeführte kleine Glocke, eine Taufglocke, 1826 umgegossen von Carl Gottlob Maibier aus Auerbach, ging verloren und wurde durch eine h-Glocke aus Lüptitz bei Wurzen ersetzt und am 2. Dezember 1962 geweiht. Sie trägt die Inschrift: NICKEL LERCZ – DER ELTER HAT MICH ZU LEIPZIG GEGOSSEN, ANNO DOMINI 1581. Ein elektrisches Geläut befindet sich seit 1994 in Betrieb.

Ein geräumiger Kirchhof (Friedhof) umgibt die Kirche. Seit dem Jahr 1841 ist er mit einer neuen, mit Theumaischen Platten belegten Mauer umgeben und mit den nöthigen Eingängen zur Kirche versehen. Auf seiner östlichen Seite wird er von der Pfarre begrenzt, die, nachdem sie durch eine 29sten April 1749 darin ausgebrochene Feuersbrunst gänzlich eingeäschert worden war, 1751 nach einem größeren Maßstabe wieder aufgebaut und 1752 vollendet wurde. Sie ist massiv von Bruchsteinen bis unter das Dach.

Ergänzendes zur Geschichte der Taltitzer Kirche

Zwei Taufsteine besitzt die Kirche. In Benutzung befindet sich der Spätgotische von 1684 aus Granit und Sandstein, der im Altarraum steht. Der zweite , wohl nicht stilechte Taufstein aus dem Jahr 1930, befindet sich im Eingangsbereich der Kirche.

Vom Turm soll bereits 1715 eine Uhr geschlagen haben. Noch vor dem 1.Weltkrieg ist die Turmuhr auf einem Foto (Blick über das Dorf zum Rittergut und zur Kirche) zu erkennen. Auf den Fotodokumenten der 1930er Jahre erscheint diese nicht mehr. Erst nach dem Abriss der Wirtschaftsgebäude wurde die Rittergutsuhr zur Kirche umgesetzt, von wo aus sie heute noch die Zeit verkündet.

Seit 1723 befand sich an der Südseite des Turmes eine Sonnenuhr, die nach der Sanierungsmaßnahme 1998/99 leider wegen fehlender Finanzmittel nicht wieder angebracht werden konnte.

Bereits 1891 erhielt der Altar nach gerade mal 60 Jahren ein neues Bild, das Christus in Gethsemane darstellt, gestiftet vom Dobenecker Rittergutsbesitzer Hermann Kasten-Hickmann. Wegen des schlechten Zustandes ersetzte man diesen 1965 durch einen gemauerten Tischaltar mit schlichtem Holzkreuz. Die heutige Altargestaltung stammt aus dem Jahre 1974 von der Künstlerin Elli Viola Nahmacher.

Die frühere, auf der Südseite neben der Kanzel befindliche Sakristei, kam 1950 zum Abriss.

Mit wesentlicher Unterstützung von Oberlehrer Gustav Schmidt entstand 1952 in der früheren Rittergutsloge des Turmes ein Heimatzimmer, das anlässlich der 775-Jahrfeier des Ortes noch im Oktober 1999 feierlich wieder eröffnet werden konnte.

Sie können sich die Informationen über die Kirche auch als PDF-Dateien unter den folgenden Links herunterladen:

Kirche von Taltitz Teil 1 (PDF, 18,1kb)
Kirche von Taltitz Teil 2 (PDF, 8,7kb)