Taltitz

ein Ortsteil der großen Kreisstadt Oelsnitz

Mittelalter

Einiges zur Geschichte der Rittergüter von Taltitz und Dobeneck

Bereits 1244 wird auf einer Urkunde des Vogtes Heinrich von Plauen neben anderen ein Hermann von (oder aus) Taltitz genannt. Es dürfte sich hierbei um den sehr frühen Nachweis eines „adligen“ Wirtschaftsgutes handeln, für das sich später die Bezeichnung Rittergut eingeführt hat. (Wolfgang Seffner, Die Rittergüter des Vogtlandes, ihr Schicksal im 20. Jahrhundert, Das Rittergut Taltitz, Vogtland-Verlag Plauen 2002)

Die Geschichte eines Dorfes mit einem ritterlichen Ansitz ist meist identisch mit der Geschichte des Rittergutes. In Taltitz waren drei ritterliche Ansitze oder Vorwerke: das Rittergut Taltitz selbst, der Schlömel und der Eulenstein. Diese drei Rittergüter waren meist von verschiedenen Adelsfamilien besetzt, manchmal waren sie vereint. Immer heißt es von diesen Adelsfamilien: „zu Taltitz gesessen“, aber nicht auf welchem der drei ritterlichen Ansitze. … Urkundlich wird 1388 Petzold von Dobeneck „auf Taltitz gesessen“ genannt, der mit seinem Bruder Kunimunt auch Dobeneck und Eulenstein besaß. … Zur gleichen Zeit wird Heydenreich Rabe „gesessen zu Taltitz“ genannt, er kann somit nur auf Schlömel gesessen haben. (Willy Geigenmüller: Taltitz, Vogtländischer Anzeiger und Tageblatt vom 13. November 1937)

Im Jahre 1418 erscheint Albrecht Thusel zu Taltitz mit seinen drei Söhnen urkundlich als Besitzer des Rittergutes Taltitz. Er muss aber schon Jahre vorher das Gut erworben haben. 1571 verkauften die Thusels das Rittergut Taltitz an Carl von Neidberg auf Dobeneck. Die nächsten Besitzer waren die von Reitzenstein. 1677 erwarb Wolfgang Ferber, ein angesehener Amtmann im Vogtland, das Rittergut Taltitz. Im Vogtl. Anzeiger Markneukirchen vom 29.01.1933 lesen wir „Den Turm der Taltitzer Kirche in seiner jetzigen Form hat W. Färber ausführen lassen. Grundsteinlegung war am 3.4.1682 und bereits nach viermonatiger Bauzeit der Knopf mit einer Gedächtnisinschrift auf den Turm gesetzt“.

Der nächste Besitzer war Wilhelm Grae, Schwiegersohn von W. Färber. Später kaufte das Rittergut Taltitz die Familie Hickmann, sie erwarben auch das Rittergut Dobeneck. 1768 ist Dr. W. Hickmann Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Dobeneck, Planschwitz, Taltitz, Stein und Eulenstein. Weitere Gutsherren auf Taltitz waren Gottfried Zenker (1778), Christian Ferdinand von Reibold (1788) und Ludwig von Feilitzsch (1810). Im Oktober 1827 kam das Rittergut Taltitz zur Versteigerung und wurde von Friedrich Jahn für 30600 Rth. übernommen. Nach seinem Tod verwaltete Ernst Jahn ab 1861 den Besitz und danach sein ältester Sohn, Amtsgerichtsdirektor Dr. Georg Jahn. Er veräußerte von den Grundstücken ungefähr ein Drittel. Gebäude und die verbleibenden 125 Hektar verkaufte er im Juli 1931 an Frau Gertrud Nahr. Diese bewirtschaftete das Gut mit ihrem Mann bis zur Enteignung 1945.

Um 1400 scheint das Rittergut Eulenstein in Besitz derer von Dobeneck gewesen zu sein, die auch wohl Taltitz und Dobeneck selbst besaßen. Nach 1428 wird Caspar von Cospod genannt, der sowohl Schlömel als auch Eulenstein hatte. Im Jahr 1478 gelangte das Gut an die Zedwitz zu Stein und später an die Zedwitz zu Neuberg. Von 1551 bis 1608 war das Adelsgeschlecht von Tettau auf Eulenstein. Joachim von Neidberg auf Dobeneck kaufte in diesem Jahr das Vorwerk. Der Gutsbezirk hatte seine eigene niedere Gerichtsbarkeit über die Gutsangehörigen und weitere 6 Häuser. Dazu gehörten die Anwesen Bahmanns Haus (Gasthof Eulenstein), die gesamte linke Seite des sogenannten „Hundsschwanzes“. Hier gab es einst den Schneiders Gasthof, die frühere „Deutsche Eiche“, dann Gasthof Dobeneck und seit 1936 – nach Zusammenschluss von Taltitz und Dobeneck – Gasthof Taltitz genannt. Jetziger Besitzer des Grundstückes ist Werner Schneider.

Das Rittergut Schlömel – auch Schlömen – war um 1400 im Besitze von Heydenreich Rabe. Die Ritter von Cospod hatten ab 1428 das Gut als Lehnsbesitz. Danach ging Schlömel 1470 an Hans von der Heyde. Von 1490 bis 1533 war Schlömel im Besitz der Familien von Cospod, von Stange und von Reitzenstein. Danach saßen bis etwa 1590 die von Neidberg auf dem Rittergut. Als weitere Besitzer sind Chr. Thoß und W. von Tettau genannt. Durch Verkauf an die Gebrüder von Reitzenstein im Jahre 1608 wurde Vorwerk Schlömel mit dem Rittergut Taltitz vereinigt und damit letztmalig erwähnt.

Die Angaben zu den Rittergütern sind einem Beitrag über das Bauerndorf Taltitz von J.Willy Geigenmüller, veröffentlicht im Vogtl. Anzeiger u. Tageblatt vom 13. November 1937, entnommen.

Sie können sich die Informationen über die Rittergüter auch als PDF-Datei unter dem folgenden Link herunterladen:

Rittergüter von Taltitz (PDF, 12,8kb)